Der Name Wenzlaff

Als ich 12 oder 13 Jahre alt war, habe ich einmal ein Buch gelesen, an das sich der eine oder andere sicher auch erinnern wird: „Alfons Zitterbacke“. Darin ging es um einen Jungen, der sehr unzufrieden mit seinem Namen war, es hänselten ihn nämlich alle anderen Kinder, indem sie den Namen verdrehten und verballhornten, z.B. „Zitterbacke – Hühnerk…“ usw.
Warum erzähl ich das hier? Unser Name ist zwar nicht ganz so selten wie Zitterbacke, aber auch nicht so häufig wie Müller, Meier, Schulze…
Und da liegt das Problem: wenn ich irgendwo nach meinem Namen gefragt werde, kommt immer gleich die zweite Frage: „Mit s? Oder w? Mit oder ohne tz? Wie ? Was?“ Und ich kann den Namen buchstabieren oder selbst hinschreiben, bei der nächsten Gelegenheit wird er wieder von irgendjemand falsch geschrieben. Oder die Sekretärin findet ihn nicht im Computer, weil sie Probleme mit dem Alphabet hat. Es sind nicht wenige in unserer Familie, die sich immer wieder darüber aufregen, weil es Schwierigkeiten mit diesem Namen gibt. Bemerkenswert ist auch, dass einige in unserer Familie sich tatsächlich anders schreiben, z.B. die Nachkommen von Albert Wenzlaff (Roseau, Minnesota) schreiben sich Wensloff. Folgende Schreibweisen gibt es aber auch: Wenzloff, Wenzlaw, Wenzlaf, Wentzlaff, Wentzlow, Winslow und sicher noch etliche, die ähnlich klingen.
Aber nichts desto trotz hat jeder seinen Namen von Geburt an, bekommt ihn verpasst ohne gefragt zu werden und muss damit leben, ob er will oder nicht. Und das ist auch gut so.

Es gibt viele Spekulationen über die Herkunft und die Bedeutung des Namen Wenzlaff: Ich hab mal in den Büchern gewälzt und einige interessante Zusammenhänge gefunden.

Brockhaus Enzyklopädie:

Wenzeslaus:
Wenzeslaus bzw. Wenzel ist die lateinische Form von alttschechisch Venceslav (tschechisch Vaclav, russisch Wjatscheslaw), eigentlich etwa „mehr Ruhm“, vergleiche altrussisch vjace „mehr“ und slava „Ruhm“,
männlicher Vorname

Brockhaus Enzyklopädie

Wenden

Sammelbezeichnung für alle in Mittel- und Ostdeutschland und in den Ostalpenländern ansässigen Slawen, frühere Bezeichnung für die Sorben.
Die Entstehung des Namens und seine sprachliche und geschichtliche Anknüpfung an den indogermanischen (aber nicht slawischen) Stamm der Veneter oder an die Wandalen oder an germanisch weni (Freund) sind nicht gesichert.

Tacitus „Germanien und seine Stämme“ geschrieben 96 v. Chr.

Vielleicht ist die erste Silbe Wenz verwandt mit den Venedi, die bei Tacitus, dem römischen Historiker, erwähnt werden. Die Vermutung für diese Verwandtschaft gründet nur auf der ähnlichen Aussprache der beiden Wörter. Die Venedi lebten laut Tacitus im Nordosten Germaniens. Sie hatten befestigte Siedlungen, trugen Schilde und waren „gut zu Fuß“. Gemeint sind an dieser Stelle offensichtlich die auch als Veneter bezeichneten Stämme. Interessant auch die klangliche Ähnlichkeit zu Vineta, der versunkenen Stadt im Ostseeraum.

Harpers Latein- Lexikon

Hier werden die Veneter mit den „modernen“ Wenden identifiziert, die ihre Siedlungen in Norddeutschland nahe der Ostseeküste hatten (frühes Mittelalter). In der Hanse wurden die mit Lübeck eng verbündeten Städte Wismar, Rostock, Stralsund, Greifswald, Hamburg und Lüneburg als Wendische Städte bezeichnet, die das Wendische Drittel (1347), später das Wendische Viertel der Hanse bildeten.
Wendland oder Vendland ist ein früherer Name für die meisten Gebiete, die heute in Mecklenburg, Vorpommern und Pommern liegen.
Als Wendland bezeichnet man noch heute eine Landschaft in Niedersachsen (Hannoversches Wendland).

Theodore Charles Wenzlaff „The life of Johann Christian Wenzlaff 1827-1894“ Henderson, Nebraska 1936

Als Ergebnis der schwedischen Eroberungen in den norddeutschen Gebieten in Kriegen des 16. und 17. Jahrhunderts verkünden schwedische Könige sich als Teil ihres Titels als „König der Wends“.

Th. C. Wenzlaff gibt an, dass er diese Informationen aus dem Buch seines Onkels Gustav Gottlieb Wenzlaff „Ein Sohn der Kolonie der Vergessenen“ (Los Angeles, 1937) entnommen hat. Ich habe allerdings bisher noch keine Bestätigung dafür gefunden.

Es gibt eine Reihe von Namen in Deutschland, die mit -laff enden, z. B. Tetzlaff, Ratzlaff, usw. Ähnliche Endungen findet man mit -loff, low, law. Auch im slawischen Sprachraum sind die klanglich verwandten Formen stark vertreten. In der Namensforschung wird angenommen, dass es sich hier um Bezeichnungen für einen Sohn oder einen Verwandten eines bestimmten (bekannten) Menschen handelt. Demnach könnte man Wenzlaff sinngemäß mit Sohn eines Wenden oder auch ein Mann der Wenden übersetzen.

Es gibt auch Spekulationen für eine Verwandtschaft bzw. Abstammung des Namen Wenzlaff mit den böhmischen Königen namens Wenzel des Mittelalters (Hl. Römisches Reich), was ich aber für bloße Raterei halte, denn das lässt sich beim besten Willen nicht weiter belegen.